Gedichte 2003

 

Der Bann

Lass mich Dich lieben, aus vollem Herzen
damit ich Dich überleben kann.
Lass mich alles ausleben, ausmerzen,
doch bitte, hör auf, mit mir zu scherzen,
denn nur so zerbrechen wir diesen Bann.

Ich will Dir nur geben, was ich in mir trage.
Sieh, ich fordere nichts zurück.
Ich will sie nur leeren, all diese Tage
in denen ich mich frage und frage:
Warum nur, warum, bist Du mir mein Glück.

Ich will mich nur wieder in einem Stück
zurück.

 

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Sinneswandel

Davor:

Es ist nicht nur ein Traum, es ist ein Leben,
das sich da vor mir auftut, ein Beginn,
und all mein Wirken, unbändiges Streben,
durch Dich, Du Unverhoffte, macht es Sinn.

Danach:

Es war wohl doch kein Leben, nur ein Traum
Aus dem ich viel zu früh abrupt erwachte.
Dich kannt ich wohl, doch Deine Ängste? Kaum.
... auch, wenn ich's dachte.

 

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Uneins

Du hast noch nie ein Wort zu mir gesagt,
dass mehr Bedeutung hat als blanke Ironie,
und auch Dein Lächeln hat es nie gewagt,
mich zu bezaubern. Ist es das, was Du Magie...

... nennst mich einen Versager, ohne Macht
noch Ergeiz, Ideale, Blick nach vorn,
und hast doch eben noch mit mir gelacht,
und weinst jetzt Tränen blind in bitt`rem Zorn...

...hast Du mich dann verlassen, oder war
es ich, der ging, am Ende, tränenblind.
Doch sah ich je zuvor so weit und klar?
Nur zählt das nicht mehr, dort, wo wir jetzt sind.

Hab ich doch nie ein Wort zu Dir gesagt,
das mehr Bedeutung hatte als der Wind,
und auch mein Lächeln hat es nie gewagt,
Dir mehr zu zeigen als das Sternenkind.

 

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Liebeserklärung eines Rauchers

Bei Dir habe ich
zum ersten mal seit Jahren
für Stunden um Stunden
wachen Traums
nicht ein einziges Mal
an Zigaretten gedacht.

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Fragen

Und du fragst mich, wie viele Sternlein stehen
und wo nur im Herbst die Blätter hingehen
und woher sie wieder kommen, wenn der Frühling erwacht
und warum ein Gewitter blitzt, donnert und kracht?

Und ich kann dir nur sagen:
Hör nie auf zu fragen
denn es gibt keine dummen Fragen.
Es gibt nur dumme Menschen, die so etwas sagen
und deshalb, hör niemals auf zu fragen.

Und du fragst mich, warum da Kriege sind
und warum misshandelt ein Vater sein Kind
und warum sind so viele Menschen blind
und warum endet manches, bevor es beginnt?

Und ich kann dir nur sagen:
Hör nie auf zu fragen
denn es gibt keine dummen Fragen.
Es gibt nur dumme Menschen, die so etwas sagen
und deshalb, hör niemals auf zu fragen.

Und du fragst mich auch manchmal, was kommt nach dem Tod
und warum sind so viele Menschen in Not
und warum hungern manche, wenn andre ihr Brot
verbrennen, und wie kommt das alles ins Lot?

Und ich kann dir nur sagen:
Hör nie auf zu fragen
denn es gibt keine dummen Fragen.
Es gibt nur dumme Menschen, die so etwas sagen
und deshalb, hör niemals auf zu fragen.

Und du fragst mich, warum lässt Gott das zu
oder gibt es ihn nicht? Und du fragst immerzu
warum es die Menschen dermaßen verschreckt
wenn man nachhakt und hinterfragt, nein sagt und aneckt?

Und ich kann dir nur sagen:
Hör nie auf zu fragen.
Auch ich habe viele Fragen,
und egal, was die dummen Menschen sagen:
Ich hör niemals auf, niemals auf zu fragen.

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Der Eid

Ich liebe Dich mit wahnsinniger Wut,
mit zügellosem Zorn und grenzenloser Gier,
beschwöre Dich mit sinnentleertem Schwur,
mit einfältigem Eid und wirkungslosem Wort,

Ich will mich laben, Leidenschaft und Lust.
Ich will Dich tragen, treu und traumesgleich.
Will nie verzagen, vielmehr vogelfrei
Nur noch Dich jagen, jetzt und jederzeit.

Selbst, wenn mein Lieben, wahnsinnig und wild
nur zügellosen Zorn und grenzenlosen Groll
in Dir gewinnt, so schwör ich Dir mein Kind,
wird ich nicht weichen, halt die Hoffnung hoch

bis ich am Ende eines eingebrannt
mit schwarzgezogner Spur ins strahlend Sternenherz:
Den Namen, den die Nacht nie mehr genannt,
Das Zauberwort, in dem die Zeit zerfließt.

 

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Kurze Ewigkeit

Wenn Lipp an Lipp gepresst
und Sehnsuchts Atem sich vermengt,
wenn Herz an Herz gedrängt
und die Vernunft das Haus verlässt,

wenn Hände, ruhelos,
im Land der Sünde Kreise ziehn,
wenn kleine Laute fliehen,
die Welt erzittert, Stoß um Stoß,

wenn im mir in Dir ist,
mein Ende Deinen Anfang kennt,
mein Herz Dein Leben nennt,
der Nähe Sehnsucht uns zerfrisst,

wenn wir dann atemlos
des andren Antlitz lächeln sehen,
dann weiß ich, Du wirst gehen
und meine Welt wird leer und groß.

 

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Draußen

Die Zeit ist gewachsen, und silberner Staub
legt sich auf die Felder, betrachtet den Raub
der Unschuld, und wie sie seufzend vergeht,
vom ersten Windhauch davon geweht.

Und Regen wäscht die Welt
frei von Ihren Sünden,

sperrt ein, mir dem, was zählt
zwingt, uns selbst zu ergründen.

 

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Wer bist Du nur?

Wer bist Du nur, dass Du
in allen diesen Tagen
Durch all der Nächte Schatten,
dem Zweifeln und Verzagen
Deinen Weg aus eigner Kraft
zu mir gefunden hast
unbeirrt und ohne Rast,
bis Du am Ende fast, ja fast
wie eine Offenbarung mir erschienen,
wie eine Königin im Haus der Bienen…

Wer bist Du nur,
dass Du es wagst
so stark zu sein,
Dich nie beklagst
egal, wie fürchterlich ich bin.
Da mag ich murren oder knurren,
von Dir hör ich doch nur ein Schnurren
oder Stille
wie aus einem endlos tiefen See.

Wer bist Du nur,
sieh her, ich fleh
Dich an, erklär es mir:
Wonach steht Dir der Sinn?
Und wohin führ ich Dich?
Oder, sag, führst Du mich?

Wo führt das hin?

 

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Harlekin

I

Der Vollmond lässt sein fahles Licht
mit sanfter Neugier lautlos gleiten,
bescheint ein Porzellangesicht
so zart und fein, dass es fast sticht...
Sag, Schöne, schnell, welch Freud und Leid,
welch Edelmut, welch Gier und Neid,
welch Qual kannst du dem Herz bereiten?
Erfahren werden wir's beizeiten.

Doch lassen wir uns weiterleiten,
dem fahlen Leuchten treu bedacht...
Sieh an, gleich links, ein Clownsgesicht
Ganz unbestritten. Wie es lacht!
Ihm scheint die Schöne nicht zu schaden
er ist ihr lächelnd zugewandt,
lässt sich in ihrem Lichte baden...
Dies Lachen! Schelmisch und Galant.

Und rechts, im Abseits... sieh mal an,
gradwohl ein zweiter Kandidat,
sein Blick, der wohl im Herz begann
verlässt die Augen, desolat,
voll Sehnsucht nach der fernen Schönen
die ihm auf ewig abgewandt
dort steht. Sie soll sein Dasein krönen!
Doch hat sie ihn nicht mal erkannt.

Wolken ziehen am Horizont.
Eine lässt den Vorhang fallen.
Die Dunkelheit stiehlt uns gekonnt
die Sicht.
Ein Schlag!
Ein Bersten. Knallen.
Was ist passiert? Nun, gebt uns Licht!
Komm, Mond, ich nehm dich in die Pflicht
Enthülle uns mit Deinem Schein
und unverhüllt der Welten Pein.

II

Dort, im Regal, wo eben noch
die Spieluhr stand, die Tänzerin
aus Porzellan, zerbrechlich, doch
voll Anmut, nur, wo ist sie ihn?

Dort am Boden liegt der Kasten
der Musik sein eigen nennt.
Doch von seiner Königin
keine Spur, die man erkennt.

Eine kleine weiße Hand schiebt sich langsam,
leise tastend
hinter unsrer Spieluhr hoch, dreht den Schlüssel.
Klickend rasten
Zahn in Zahn, die Federn Surren,
etwas Rost vergangner Zeit
protestiert mit leisem knurren,
doch dann ist das Spiel bereit.

Der erste Ton verlässt vibrierend
seinen Kerker, endlich frei
in der Stille, irritierend,
prallt ans Holz und bricht entzwei.

Doch die Spieluhr, unermüdlich
schickt schon Ton um Ton herbei
tanzend, schwingend, wie vergnüglich
drehen sie ihr Ringelreih'.

Seht doch nur, das Vollmondlicht
es scheint fast, diese zarten Klänge
geben ihm gleich mehr Gewicht.
Als ob es nach Erkenntnis dränge,

kriecht es durch den alten Speicher,
sucht nach der Erinnerung
Schaukelpferd, Soldat, ein bleicher
Malblock, Kisten, Mäusedung.

Schnell und schneller klingen, treiben,
tanzen Ton um Ton um Ton.
Was ist das? Ein Kratzen, Reiben,
Tapsen? Kommt, nun zeigt es schon.

III

Da, dort hinten, aus den Schatten
tritt hervor – ihr ahnt es schon -
die wir vermisst, verloren hatten;
abgestürzt von ihrem Thron,

die Prinzessin dieser Klänge,
tanzt mit leichtem Fuß daher,
schwebt im Takt der Blechgesänge
zweimal leicht für jedes Schwer.

Tanzt wie eine Feder schwerelos dahin
lässt nur kurz ein Füßlein den Boden berühren
dreht sich ewiglich, ohne Halt, ohne Sinn,
will doch nur die Schatten zum Tanzen verführen.

Ernst ist ihr Gesicht, in Gedanken erstarrt,
doch in ihren Schritt ist nur Frohsinn zu spüren,
tief in sich versunken, merkt nicht, wer ihr da harrt,
will doch nur die Schatten zum Tanzen verführen.

Es ist der Verschmähte, der sich in den Schatten
vom Sturz noch benommen die Augen wischt.
Er hörte das Rascheln. Sind's Mäuse? Sind's Ratten?
Dann hört er die Klänge, sieht Sie, und das Licht.

Mit einem Mal ist all seine Scheu vertan,
er will ihr nur nah sein, sie fassen, berühren
eilt zu ihr hin, voller Gier, ohne Plan,
will sie doch die Schatten zum Tanzen verführen.

Umgreift ihre Taille, ergreift ihre Hand,
berauscht von dem Lied, von dem Glück, sie zu spüren,
dreht sie im Kreis, außer Rand und Band,
will sie Tanz um Schritt in die Schatten entführen.

Sie wendet sich ihm zu, ihr Gesicht ist so zart
ihr Blick, wie ein Dolch in sein Herz geführt.
Sein Griff um ihre Taille wird fordernd und hart.
Hat sie ihm doch gelockt und zum Tanzen verführt.

Er beugt sich über sie. Ihre Lippen verführen...
Jetzt oder nie. Der Moment ist gekommen.
Ein Kuss. Nur ein Kuss.
Seine Lippen
berühren...
Ein Knall!
Und was er sieht
lässt ihn taumeln,
benommen

Torkelt er zurück. Ihr Gesicht! Ist zersprungen!
Als er seine Lippen auf die ihren gepresst
und ihr den einen Kuss hat entrungen...
Ihre Lippen. So kalt, und hart, und fest.

Es war eine Maske! Und nun, nur noch Splitter.
Und unter ihr, wie kann das nur sein,
der Clown, der Schelm, ihr strahlender Ritter,
welch böser Streich, welch Schmach. Welch Pein!

Er geht auf ihn los. Das soll er ihm büßen
wie konnte er wagen, das Antlitz der Süßen
zu tragen, und ihr dermaßen zu täuschen,
im Staub soll er liegen, und wimmern, und keuchen.

Er sieht nicht die Trauer in dessen Blick.
Er sieht nur sein eben zersprungenes Glück.
Er hört nicht die Worte, voll Reue und Schmerz.
Er hört nur sein kreischendes, wütendes Herz.

IV

Ein letzter Ton der Spieluhr wagt
sich zögerlich
ins Vollmondlicht
hängt zitternd in der Luft, verzagt,
verklingt
und hinterlässt nur Stille, die ewig alt ihr Nachtlied singt.

Mit der Musik bricht auch der Bann,
der dunkle Schatten nach sich zog.
Im Schlag erstarrt, hört unser Mann
warum der andre ihn betrog.

Und lässt die Hände kraftlos fallen
und lässt sich führen, in die Schatten
vorbei an Träumen, Mäusen, Ratten
die mit den winzig kleinen Krallen

die Stille kratzen, und doch nur
noch stärken in der alten Macht.
Er lässt sich führen, in die Nacht
bis hin zur klangverstummten Uhr.

„Ich wollte sie am Leben halten.
Ich wollte sie für mich behalten.
Ich wollte halten, was wir hatten,
und mit ihr tanzen aus den Schatten."

„Dich Täuschen, Freund, das wollt ich nicht.
ich täuschte mich, nahm ihr Gesicht...
Ich wollte sie in mir bestatten.
Doch sie bleibt. Ewig. In den Schatten."

 

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