Gedichte 2006

 

Weggestohlen

Du bist gestorben,
hast mich zurück gelassen.

Der Witz geht ganz
auf meine Kosten, denn
Du bist tot und frei
und ich,
ich muss damit
leben.

 

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Mein kleines Leben

Mein kleines Leben...
In Schubladen mag es nicht passen,
es ist nur schwer zu erfassen.
... so ist es eben.

Mein kleines Leben...
ist größer als die meisten
es sich heut noch leisten.
...  will höher streben.

Mein kleines Leben...
kann keiner klauen,
nur ich verbauen.
... nicht zu vergeben.

Mein kleines Leben...
will manchmal nicht,
dann ist es Pflicht.
... nur schwer zu heben.

Mein kleines Leben...
wird ganz groß,
lass ich’s los.
... scheint fast zu schweben.

Mein kleines Leben...
ist meins,
nicht Deins.
... kann nur ich leben.

 

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Folter

Nimm die Fesseln von meiner Brust.
Sie schnüren mich ein

wie feuchte Laken, eng um sie geschlungen
die langsam
trocknen

 

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Wolken wollen

Du willst die Wolken
nicht tröpfchenweise,
nicht trist und trostlos traurig triefend,
wenn dann, und wieder weltlich Wissen,
wie Wattebäuschchen, wollig warm,
die Dich fein federnd fangen,
falls Du fällst.

Du willst die Wolken
weich.

 

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 Der Poet
(gefangen im Poetry-Slam)

Sein Ohr ist im vorübergehn des Reime
so müd geworden, dass es nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob sich Reim an Reime leime,
doch hinter tausend Reimen, keine Welt.

Sein eignes Werk, geschmeidig starker Worte,
das sich in allerkleinsten Versen dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft von einer Sorte,
in dem versteckt ein großes Sinnen steht.

Nur manchmal lässt das Labyrinth der Ohren
ein Bild hinein, grell, übermächtig, laut,
doch geht sein Sinn und Kontext schnell verloren,
und wird von dem Poeten frech geklaut.

 

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Jetzt

Wie lange ist Dir die Gegenwart?

Du zwinkerst, und sie ist verloren.
Tausend, millionen, unzählige Male
vergeht sie und wird neu geboren

in diesem einen Wimpernschlag.

 

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Wenn Du träumst

Wenn Du denkst,
ich bin nicht bei Dir,
nur weil Du träumst,
dann irrst Du Dich.

Ich kenne alle Pfade,
die zu Dir führen.

Auch wenn Du schläfst
und weltvergessen
aller Wirklichkeit entfliehst,
ich finde Dich.

Dein Traum
ist auch der meine.

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Böses Erwachen

Wie viele Nächte bist Du wach gelegen,
und alles nur wegen mir?
Du dachtest, ich wäre für Dich ein Segen,
Du könntest Dich unbekümmert bewegen
in meinem Revier...
Doch jetzt liegst Du hier
und kannst Dich vor Kummer kaum mehr regen.

Du hast nichts gesagt, hast stumm geweint,
Tränen, sie trocknen so schnell.
Und waren wir dann in Liebe vereint,
hast Du all Deine Wunden strahlend verneint.
Mit mir warst Du hell
(wenn auch manchmal zu grell).
Doch es ist nicht alles Sonne, was scheint.

Ich wollte Dir niemals Schmerzen bereiten
und stellte mich einfach blind.
Nur zu gern ließ ich mich von Dir verleiten
in unsrer Geschichte nur jene Seiten
zu lesen, die sind,
wie man sie sich als Kind
gern vorstellt, und sorglos nach vorn zu schreiten.

 

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An eine Würgeschlange

Stück für Stück frisst Du meine Seele,
Happen für Happen, vertilgst meine Welt.
Wie konnte ich denken, ich würde Dir fehlen,
wo mich doch Dein Magen gefangen hält.

Doch eins sag ich Dir gleich, ich bin schwer zu verdauen,
ich werd Dir den Appetit gründlich versauen!

 

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Abgesang eines Losers

Du bist so unter aller Sau!
Du bist ein Niemand.
Du bist nur lau und meistens blau,
was sie an Dir fand

werd ich im Leben nicht verstehen,
wie konnte sie nur mit Dir gehen?
Sie hatte mich!
... und wählte Dich?

Das ganze ist so lächerlich.

Was hast Du nur, was ich nicht habe?
Welche ungeheure Gabe
lässt Dich in einem Glanz erscheinen,
durch den die holden Wesen meinen,
Du wärest Gold, und nicht nur Glitter?

Und ist das Ende dann auch bitter,
sie hängen Dir doch ewig nach.
Statt Sonnenschein nur Sturmgewitter?
Statt Nähe, scharfe Seelensplitter?
Egal, sie leben mit der Schmach

und glauben felsenfest daran,
dass irgendwo in Dir als Mann
ein Kind steckt, unschuldig und rein.
Ach, könnten sie dem Nahe sein,
dann würde sich gleich alles bessern.

Nur, dieses Kind spielt gern mit Messern.

Es ist verletzt und wehrt sich ständig,
bei allem, was sich nahe traut
bekommt es Angst und schlägt unbändig
um sich, tritt und beißt und haut
bis alle Nähe kurz und klein
zertrümmert ist. Dann schläft es ein.

Was dann noch bleibt, ist Deine Hülle,
kalt und glatt und unnahbar.
Sie suggeriert immense Fülle,
doch Deine Augen zeigen klar

das unerfüllte Nichts dahinter,
den lebensfeindlich langen Winter.

Ich weiß, aus mir spricht hier der Zorn.
Ich bin auch sicher nicht gar fair.
Du hast zumeist die Nase vorn
und das zu mögen fällt mir schwer.

Doch bleibt ich gern ein Stück zurück,
denn gleich, wie fies und wie gemein
Du bist, bleibt mir doch wahres Glück
und Du bleibst nur ein armes Schwein,

denn Du bist tief in Dir

 

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Wieder sehen

Lang nicht mehr gesehen,
nun, Du musst verstehen,
ich hatte wenig Zeit,
und Du, Du warst zu weit,
viel zu weit weg.
Nicht gleich ums Eck
wie früher, als wir Freund waren,
als wir uns noch fast täglich sahen...

Ja, das waren schöne Tage,
wobei ich mich heut manchmal frage
ob wir wirklich etwas hatten
oder ob wir nur die matten
Bilder unsrer Eigenliebe
heimlich still, wie feige Diebe
durch den andren Farbe gaben
um uns an uns selbst zu laben.

Schön, Dich wieder mal zu sehen,
doch ich muss Dir eingestehen,
schöner wär’s, Dich nicht zu kennen.
Deine altbekannten Augen
brennen durch mein Eigenbild.
Die Erinnerungen saugen
alles auf, aus dem mein Schild
nun so lange schon besteht.

Ich bin nicht der, um den’s Dir geht.
Nicht mehr.
Dich und mich, uns trennen Welten,
ach, was sag ich, Galaxien!
Wahre Freunde sind halt selten,
meistens muss man weiter ziehen...

Hat mich gefreut, Dich kurz zu sehen.
Die Zeit. Sie rast. Ich muss jetzt gehen.
Lass uns doch mal, nun, ruf mich an
und wir besprechen, wie und wann
wir uns am besten mal verpassen
und alles schön beim alten lassen.

 

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Der erste Schritt

10 Schritte bis zur Tür,
42 Stufen die Treppe hinab,
wo Du stehst,
nicht wartest,
nicht weinst,
nur verzweifelt
nach einem Taschentuch suchst
und Dich fragst
ob ich den einen Schritt mache,
den Schritt auf Dich zu.

Er sei Dir vergönnt, doch
wozu nur, wozu?

Es bleiben ja doch
9 Schritte zur Tür
und 42 Stufen

bergab.

 

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Nach(t)vertont

Nachvertont klingt Deine Stimme,
wie nicht von Dir,
wie aus weiter Ferne,
von antlitzlosen Mündern gesprochen.

Sie machen es gut,
ja, fast schon perfekt
schmiegt jedes Wort sich
an Deine Lippen.

Man könnte fast glauben,
das bist wirklich Du,
die meine Seele zerfetzt,

die mich mit jedem schneidenden Wort
aufs neue
tödlich verletzt.

Nachtvertont klingt Deine Stimme.
Sie war mir einst Licht.

Doch jetzt, da sie mir
nur Dunkelheit bringt
erkenn ich sie nicht.

 

06013 Rating: 10.0/10 (1 vote cast)

Kennst Du die Nacht?

Kennst Du die Nacht?
Sag, weißt Du,
wie sie alles verschlingt, alles unsichtbar macht,
das Dich ablenkt von dem, was wesentlich ist,
so leicht ablenkt
von Dir
und von dem, was Du bist?

Wenn Du sie kennst, so sag mir,
warum bist Du dann immer noch hier bei mir?
Warum bist Du dann nicht schon längst bei Dir?

 

06014 Rating: 6.0/10 (2 votes cast)

Du gehst zu Weit

Du verschwendest unsre Zeit.
Du gehst zu weit. In Deiner Qual
bist Du so sehr versessen,
dass Du nichts mehr andres siehst

Du sagst, Du hättest keine Wahl
und fliehst
in Dein Vergessen.

Du weißt nicht mal mehr, wie man weint
ohne Applaus dafür zu fordern,
ja, es scheint
Du willst uns nur zu Dir beordern,
damit wir Dir Beachtung zollen
und auch, wenn wir Dir helfen wollen,
so hilft es nicht,
ist nur noch Pflicht
bar jeder Freundlichkeit.

Du gehst zu weit.

 

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Leidenschaft

Deines Blickes Klingen schnitten tief
durch all meine Barrieren,
trafen mich tödlich im Herzen.
Es blutet, nur, um Dich zu laben.

Deiner Worte Säure fraß sich tief
in meine kleine Seele
löste sie auf in Verachtung.
Sie fließt als meine Tränen, Dir zur Freude.

Deiner Hand Versprechen nahm mich auf
und ließ mich wieder fallen,
zerschmetterte in mir jede Hoffnung.
Ich liege, schwach und  wehrlos, Dir zu Füßen.

Doch

Meine Auferstehung steht bevor,
mir blüht ein neues Leben.
und Du hast keine Macht mehr über mich.
Vielleicht lernst Du ja dann, nur mich zu lieben.

 

06016 Rating: 9.5/10 (2 votes cast)

Seitenwechsel

Ich fliege und falle.
Nicht eine, nein, alle
Möglichkeiten
liegen vor mir.

Und all das Streben,
das Leben und Geben,
das Wollen und Sollen
liegt jetzt bei Dir.

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06017 Rating: 7.0/10 (1 vote cast)

So leicht

Es kann so leicht sein, lass einfach los.
Wir fallen nicht, mein Herz, wir fliegen!
Und all die dunklen Täler, bald schon liegen
sie weit hinter uns. Wir werden groß...

und größer, schweben über allen Dingen.
Die Angst ist uns nicht mehr Gewicht.
Wir streben hoch hinauf ins Licht
und nichts kann unser Glück bezwingen.

Es kann so einfach sein. Vertraue mir,
oder, nein, besser noch, vertrau Dir selber,
und selbst das Schwarz wird für uns gelb und gelber,
wenn Du nur loslässt für das Jetzt und Hier.

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06018 Rating: 10.0/10 (2 votes cast)

Du meine Versuchung

Von Deinen Lippen empfing ich Vergebung
für all die Laster, die Du mir bist
und in deinen warmen, sündigen Armen
fand ich zur Unschuld zurück.

Wenn der Himmel in Deinen Augen
mich geradewegs in die Hölle führt,
so will ich verdammt sein, denn für was taugen
schon Engel, wenn Du mir keiner bist.

Wenn Du mich verführst, so will ich Dir folgen,
abseits der Wege, die recht sind und klar.
Ich will mich in Deinen Tiefen verirren
mich an Dir berauschen, zerstreuen, verwirren

und in Deinem Leuchten dann endlich erwachen,
von allem erlöst.

 

06019 Rating: 8.0/10 (1 vote cast)

Geheimnis der Tränen

Schätze jede Träne, die Du ehrlich weinst
wie ein Lachen, das von Herzen kommt,
denn sie ist wie eine kostbare Perle.

Tief in Deiner Seele wächst sie rund
um jene Splitter, die Dich rastlos machen
und Dich peinigen bei jedem Lachen
das da hohl und falsch in Deinen Ohren klingt.

Weine nur, und schwämm die Scherben
gut verpackt mit deinen Tränen aus.
Ich will sie sammeln und aus ihnen lernen,
wie Du ganz bist.

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06020 Rating: 0.0/10 (0 votes cast)

Hassliebe

Es nimmt kein Ende, es fängt erst an
mich tief zu schmerzen, ich frag mich, wann
wird es wohl enden, und was wird dann,
wenn ich Dich nicht mehr hassen kann.

 

06021 Rating: 8.5/10 (2 votes cast)

Der Grübler

Das Haus ist still, in seinem Herz gefangen
sitzt ein kleiner, unscheinbarer Mann.
Er will nicht viel, nur schnell zu ihr gelangen
und bricht jetzt auf. Gleich. Später... Irgendwann.

Er weiß, er will zu viel und doch so wenig,
die Welt ist ihm zu groß und nicht genug.
Er findet sich zu glatt, ihr Haar zu strähnig,
sein Leben viel zu matt und sie zu klug.

Ängstlich kauert er in seinem Herzen
und all die ob und wann und irgendwie
necken ihn mit grausam hohlen Scherzen.
Er bricht jetzt auf. Gleich.  Später... Vielleicht nie.

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06022 Rating: 0.0/10 (0 votes cast)

Scheideweg

Die Zeit war der Feind. Es gab nicht genug.
Und jedes Versprechen an sie war Betrug.
Und jedes Zerbrechen hat doch nur gezeigt
wie weit sich Dein Leben von meinem verzweigt.

Du warst alles für mich und noch viel mehr
und ohne Dich ist meine Welt so leer.
Ich hab mich verloren in Dir.
Komm zu mir.

Wir waren uns niemals abgeneigt,
doch alles erfriert, wenn man eisig schweigt.
Ein jedes Wort war verloren an Dich
und jedes Verständnis verloren an mich.

Du hast mich verraten. Ich war nicht fair.
Jetzt steh ich im Nichts und brauch Dich so sehr.
Ich hab Dich verloren in mir.
Komm zu Dir.

Wie alles begann ist schon lang verloren,
es war viel zu früh, war nicht ausgegoren.
Vielleicht war es zu groß, oder wir zu klein,
denn es ließ uns allein.

Du warst alles für mich, warst meine Welt.
Du bist es noch, die mich am Leben hält...
doch jetzt muss ich mich halten denn kein Weg vom Hier
führt zu Dir.

 

06023 Rating: 10.0/10 (2 votes cast)

Regen

Ich bin von Kopf bis Fuß
auf Sonne eingestellt.
Doch wenn dann mal Regen fällt,
ja dann bin ich

schnell von Kopf bis Fuß
vom Regen eingeweicht
und denk mir dann, vielleicht
hätt ich auf Dich

hören sollen, als Du mir
zärtlich unter einem Kuss
zugeflüstert hast, ich muss
überlegen,

dass die Sonne all die Tränen,
die vergossen in der Welt
sammelt und da oben hält,
bis der Regen,

wenn die Last zu träge wird,
all die Trauer überwiegt
und der Himmel sich schon biegt,
endlich fällt.

 

06024 Rating: 0.0/10 (0 votes cast)

Satellitenschüssel
mit Smiley-Gesicht

Satellitenschüssel mit Smiley-Gesicht
thront auf dem Balkon
der Betonblockwohnung, im Neonlicht
der Straßenlaterne, und scheut sich nicht
zu grinsen. Was macht es schon?

Die Straße ist laut, die Luft feinstaubig,
die Alltagsmenschen blicken ganz traurig.
Wer sieht es schon, dieses Grinsegesicht?
Doch das hindert es nicht.

Es lächelt mir zu. Es weiß ganz genau,
mein Tag war kalt, war hart, war grau,
ganz wie der Balkon, auf dem es steht.

Doch das Smiley-Gesicht, es grinst und gelbt
unverzagt hinaus in die Welt,
weil immer was geht.

Und ich grinse zurück. Ich kann nicht anders,
und danke im Geiste ganz leis dem Mann der's
mit Geld und zwei Punkten und einem Strich
zum Leben erweckt hat. Mehr braucht es nicht.

...und grinse gleich weiter, ich grauer Wicht
und bin selbst das Gelb mit zwei Punkten und Strich.

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06025 Rating: 9.0/10 (2 votes cast)