Gedichte 2007

 

Scheideweg

Die Zeit war der Feind. Es gab nicht genug.
Und jedes Versprechen an sie war Betrug.
Und jedes Zerbrechen hat doch nur gezeigt
wie weit sich Dein Leben von meinem verzweigt.

Du warst alles für mich und noch viel mehr
und ohne Dich ist meine Welt so leer.
Ich hab mich verloren in Dir.
Komm zu mir.

Wir waren uns niemals abgeneigt,
doch alles erfriert, wenn man eisig schweigt.
Ein jedes Wort war verloren an Dich
und jedes Verständnis verloren an mich.

Du hast mich verraten. Ich war nicht fair.
Jetzt steh ich im Nichts und brauch Dich so sehr.
Ich hab Dich verloren in mir.
Komm zu Dir.

Wie alles begann ist schon lang verloren,
es war viel zu früh, war nicht ausgegoren.
Vielleicht war es zu groß, oder wir zu klein,
denn es ließ uns allein.

Du warst alles für mich, warst meine Welt.
Du bist es noch, die mich am Leben hält...
doch jetzt muss ich mich halten denn kein Weg vom Hier
führt zu Dir.

 

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Splitterauge

Splitterauge, schneidest tief
mit Deinem scharfen Blick.
Dir zu begegnen, scheint es mir
erfordert viel Geschick.

Wie viele Herzen hast Du schon
in kleine, feine Scheiben
zerlegt, um Dich am Leidenston
für kurze Zeit zu weiden?

Splitterauge, sage mir,
hast Du noch nicht genug?
Dein ach so kaltes Scherbenspiel
ist doch nur Lug und Trug.

Tief in Dir drinnen ist es karg
und einsam, immerdar.
Gefangen im Schneewittchensarg...
... nur Prinzen, die sind rar.

Hast Du die meisten doch schon längst
im Dornenbusch zermahlen.
Dein Herz verdorrt, wenn Du’s nicht schenkst
in allzu harten Schalen.

 

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Regen

Ich bin von Kopf bis Fuß
auf Sonne eingestellt.
Doch wenn dann mal Regen fällt,
ja dann bin ich

schnell von Kopf bis Fuß
vom Regen eingeweicht
und denk mir dann, vielleicht
hätt ich auf Dich

hören sollen, als Du mir
zärtlich unter einem Kuss
zugeflüstert hast, ich muss
überlegen,

dass die Sonne all die Tränen,
die vergossen in der Welt
sammelt und da oben hält,
bis der Regen,

wenn die Last zu träge wird,
all die Trauer überwiegt
und der Himmel sich schon biegt,
endlich fällt.

 

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Die Grenze

Es tut mir Leid,
Dich so zu sehen,
voll selbstgerechter Herrlichkeit.

Es tut mir Leid,
ich muss jetzt gehen,
sonst gehe ich den Schritt zu weit,

der uns entzweit.
Du musst verstehen,
die Stimme, die da in mir schreit,

sie fügt Dir Leid
zu, wenn die Wehen
mich lähmen, und sie ganz befreit.

 

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Anfang vom Ende

Es ist nicht leicht,
Dich leicht zu nehmen.
Der Zuversicht wird bang,

sie weicht

der Angst, vielleicht
sind unsre Themen
einander bittrer Abgesang.

 

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So nicht!

Ich mach keinen Sinn?
Was mit mir nicht stimmt?

Ich bin, wie ich bin!
So, wie man mich nimmt.

 

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Silberrot

Du kannst mich nicht umarmen.
Das Glas ist kalt
und spiegelt Dich.

Du kannst Dein Spiegelbild
nicht in die Arme schließen.
Erst muss ich fallen
und zerbrechen
und dann

Dann kannst Du mich umarmen
und ich Dich zerschneiden
und Dir
Dein innerstes zeigen.

Dein Rot
und
mein Silber.

 

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Schlachtbank

Kalt, Deine Klinge, sie summte im Schlaf,
und als Du sie blank zogst, war es schon lange
eisig im Zimmer, und mir Angst und Bange,
Du, wie ein Schlächter und ich nur ein Schaf.

 

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Luft und Liebe

Du ziehst an mir, an meinem Strick,
er zieht sich fest um mein Genick
und nimmt mir alle Luft zum Leben.

Ich will Dir gern und vieles geben,
doch meine Luft, das geht zu weit.
Ich denke, es wird langsam Zeit

Dir zu entziehen, was ich bin.
Denn Du nimmst meinen Leben Sinn.

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Maskentag

Hab ein Gesicht gewählt, das fröhlich ist,
auch gerne flirtet mit den Mädchen,
das sauber läuft, wie Rad in Rädchen
und nichts verrät von diesem ganzen Mist

der drunter ist
und mich zerfrisst..

Willst Du es wissen, rat ich Dir, sei leise,
vielleicht hörst Du das Sägen ja im Stillen.
Es klingt wie Zirpen von Millionen Grillen,
bricht in mein Leben eine scharfe Schneise.

 

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Spiegelspiel

In meinen Augen siehst Du Deine Welt
Wie Sterne glitzern, und in ihren Weiten
Dich grenzenlos, befreit von Raum und Zeiten
und nichts, was Dich in ihr gefangen hält.

Doch ist dies Bild nur Spiegel Deiner Augen,
der sich in meinem Spiegel reflektiert,
unendlich, bis die Hölle überfriert
sich gegenseitig ihren Sinn aussaugen.

Ich stehe unbemerkt im Rampenlicht,
nur hoffend, dass Du mich am Ende siehst
und nicht nur blind ins Spiegelspiel entfliehst
bis irgendwann mein Glas an Dir zerbricht.

 

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Von Herzen

Von ganzem Herzen wünsch ich mir,
dass Dein Herz bricht,
so wie mein Herz zerbrach an Dir
und deshalb nicht
von ganzem Herzen wünschen kann.
Drum wünsch ich Dir
halbherzig Glück, halt, irgendwann,
fernab von mir.

 

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