Gedichte 2010

 

Einer dieser Tage

Schatz, so sehr ich Dich auch mag,
ich bin durch mit diesem Tag,
mit der Welt und ihren Weisen,
mit den lauten und den leisen
Anekdoten und Geschichten.
Will mir nur mein Lager richten,
meinen Kopf zur Ruhe betten
mich ins Schlaf- und Traumreich retten

Sei so gut und lass mich sein.
Mir fällt heut kein Satz mehr ein,
der Dir recht und richtig ist
und so lieb Du mir auch bist,
bin ich Dir heut nicht gewachsen.
Komm, verzeih mir meine Faxen,
ich will heut nur bei Dir sein
statt mit Dir. Das wäre fein.

 

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In Deinem Garten

Ich schreite leise, leicht durch Deinen Garten.
Will nicht
Deine Ängste wecken,
Deine Träume verschrecken,
will nur
ein Teil von ihnen sein.

Du ließest mich ein
und lässt mich nun warten.

Geduldig wandle ich in Deinem Garten,
erstaunt ob seiner unzähligen Arten...
...Facetten Deiner Seele, jede neu.

Wenn ich ein Jahr an jeder mich erfreu,
könnt' ich noch Jahrmillionen auf Dich warten.

 

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Nackt

Nackt bis auf die Seele stehe ich vor Dir.
Deinem Blick entgeht nichts.

Langsam gleitet er über meine Problemzonen,
bohrt sich genüsslich in meine offenen Schwächen,
reibt sich an meiner Pfirsichhautangst,
umkreist meine pickligen Eiltelkeiten
und endet am Ansatz meiner ausfallenden Träume.

Du schweigst
für einen Wimpernschlag,
lächelst dann,
beugst Dich zu mir und flüsterst:
“Ich mag Dich. Du bist schön...”

Und ich nehme Dich erleichtert in die Arme,
drücke Dich an mein schrumpliges, kleines Herz und
danke im stillen Gott dafür,
dass Liebe blind macht.

 

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Nackte Tatsache

Manche Menschen sind nackt
schöner als bedeckt.

Manche tragen Masken,
weil sie den eigenen Anblick nicht ertragen.

Auf überraschend viele
trifft beides zu.

 

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Nicht wie ein Bruder

Durch meine Liebe will ich Dich verwalten,
Dich halten, ohne Zweck und ohne Ziel.
Sie soll Dich wärmen in den tristen, kalten
Tagen… ist ja alles nur ein Spiel.

Spiel mit, lass mich an Deinen Fäden flattern,
wie Nattern bohren sie sich in mein Fleisch.
Ich will nicht viel, nur Deine Gunst ergattern.
Beweg mich! Zieh die Fäden! Mach mich reich…

Es reicht mir nicht, Dich nur als Freund zu nennen.
Mir brennen viel zu viele Feuer dort,
wo andre nur das kalte Kauern kennen.
Entfache mich! Brenn meine Sehnsucht fort.

Die Pforten sind geöffnet, meine Qualen,
sie aalen sich zu Deinen Füßen, fein.
Ich bin jetzt still, schenk Dir nur noch den fahlen
Nachgeschmack von falscher Freundschaft ein.

 

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Der Aufreißer

Du hast mir geglaubt,
ich hab Dich beraubt,
Dein Herz gestohlen,
ganz unverhohlen.

Es war viel zu leicht,
es hat schon gereicht,
Dich sanft zu berühren;
Dein Leid zu erspüren,
Dir Hoffnung zu machen
und mit Dir zu lachen.

Warum ich es tat?
Das Leben ist hart.
Solch kleine Triumpfe,
sie helfen, die stumpfe
Gewissheit des Lebens,
des Kämpfen und Strebens
ein wenig zu dämpfen.
Halt, Spielen statt Kämpfen.

Warum es Dich traf?
Du warst halt zu brav.

Es war Deine Unschuld, die mich an Dir reizte,
Du warst so naiv, so wahrhaft und rein,
und als Dir die Lust Deine Schenkel aufsprengte;
da drangen durch mich auch die Sünden mit ein.

Keine darf sein
so wie Du. Denn bei Dir
kann ich nicht bestehen...
... und was wird dann aus mir?

 

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Du solltest mich nicht mehr lieben

Du solltest mich nicht mehr lieben.
Ich habe Dein kleines, feines Herz
zwischen Schuld und Sühne zerrieben,
Dich in den Wahnsinn getrieben.
Du solltest mich nicht mehr lieben,
doch Du tust, als wäre das alles ein Scherz.

Ich will Deine Ehrerbietung nicht,
bin nur ein kleiner, gemeiner Wicht
der mit Deinem Liebesstrang Seilhüpfen spielt
und nur auf sein eigenes Wohl abzielt.

Du solltest mich nicht mehr lieben.
Sie doch, ich bin durchtrieben.
Ich tu Dir nur weh!
Was ich nicht versteh...
Wie kannst Du mich trotzdem lieben?

 

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Fragwürdiges Begräbnis

Wir tragen zu Grabe die Frage.
Sie machte Sinn,
doch brachte nur Unsinn zu Tage.
Jetzt liegt sie drin

im moorigen Boden der Wahrheit,
wo manch Gewürm
sich nährt an den Leichen der Zagheit.
Erst hieß es: "Stürm

die eisige Festung aus Schweigen."
Wir stürmten los,
doch flüchteten bald in den feigen
Selbstlügen-Schoß.

Wir graben die Tragik zu Tage,
sie rührt uns nicht,
und trauern scheinheilig der Frage
falsch ins Gesicht.

So tragen zu Grabe die Frage
wir ohne Sinn.
Sie brachte uns alle in Rage.
Jetzt ist sie hin.

 

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Ich vs. Wir

Du hast diesen Blick, wenn ich mich mal ziere,
Dir ganz zu entsprechen, im Jetzt und Hier.

Doch...

... wie soll ich Dich halten, wenn ich mich verliere?
Wenn ich mich verrate, missraten auch wir.

 

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